Der Benutzer hat fast immer recht

Momentan scheint mal wieder eine Welle von “10 Glaubensgrundsätzen” durch die Blogs zu schwappen. Nach den 10 Geboten des Webdesigns hier die 10 Glaubensgrundsätze von Jono zum Thema Softwareentwicklung. Lesens- und bedenkenswert, zumindest für Softwareentwickler und Interface-Designer. Hier die unautorisierte Exegese auf basimo.de

  • Warum entwickelt man Software? Weil es technisch geht, oder weil man beim Abbau von Arbeitsplätzen helfen will Leuten Werkzeuge an die Hand geben will, die ihr Leben vereinfachen und bereichern?
  • Was wollen Benutzer eigentlich? Nein, sie wollen keine Software. Sie wollen noch nicht mal einen Computer. Sie wollen kommunizieren, schreiben, malen, spielen und sozial interagieren.
  • Warum sind manche Programme trotz genialer Technik nicht erfolgreich? Weil der gemeine Wald-und-Wiesen-Benutzer nicht die geniale und innovative Technik sieht und fühlt, die den Entwickler die eine oder andere Nacht gekostet hat, sondern die Benutzeroberfläche. Die Benutzeroberfläche ist das Produkt.
  • Warum schafft es Linux nicht auf das Desktop? Und warum hat sich Firefox/Mozilla durchgesetzt? Siehe den vorangegangenen Punkt.
  • Sind Benutzer blöd? Wenn ein Benutzer Probleme mit der Bedienung eines Programms hat, liegt das im Allgemeinen nicht daran, dass er/sie zu dumm oder faul war, das zugrundeliegende Datenmodell im Handbuch zu studieren. Wenn ein Benutzer Probleme mit der Bedienung eines Programms hat, sollte das ein Anreiz sein, die Benutzerschnittstelle zu überarbeiten. Man sollte dem Benutzer sogar dankbar für den Hinweis sein. 90% der Benutzer erzählen ihre Probleme nämlich nicht dem Entwickler, sondern klagen bei ihren Bekannten über die schlechte Software von XYZ.
  • Ist Interface-Design Marketing? Nein. Nein, in beide Richtungen. Kein Grund, das Design von Benutzerinterfaces als “Kosmetik” zu verachten. Auch kein Grund, das Interface einer schlechten Anwendung mit möglichst vielen Knöpfen und Effekten aufzuhübschen. Das mag vielleicht für chinesische MP3-Player-Imitate gelten, ist aber zu vermeiden. Form follows function. Immer.
  • Was sind die Aufgaben eines Designers? Benutzer sind nicht an Benutzerinterfaces interessiert. Sie sind nicht an Features und Benchmarks interessiert. Sie sind daran interessiert, Probleme und Aufgaben zu lösen. Benutzer kennen sich im Allgemeinen nicht mit dem Design von Benutzerschnittstellen aus, auch wenn sie das glauben. Darum sollte man sich beim Design von Benutzerschnittstellen nicht nur daran orientieren, was Benutzer behaupten zu wollen, sondern was Benutzer brauchen. Meist wird das dankend angenommen.
  • Welche Rolle spielt die Wissenschaft? Eine noch zu kleine. Die “Benutzbarkeit” von Software lässt sich objektiv messen, und ist nur zu einem kleinen Teil Geschmackssache.
  • Sind Änderungen im Benutzerinterface gut oder schlecht? Beides. Benutzer sind irritiert, wenn ihre alten Arbeitsabläufe nicht mehr funktionieren. Benutzer sind erfreut, wenn Ihre alten Arbeitsabläufe noch schneller vonstatten gehen. Man muss abwägen, wann und wo Änderungen angebracht sind. Meist ist ein “und jetzt Version 1.3 mit einem völlig neuen Benutzerinterface” unangebracht. Evolution statt Revolution. Zugegeben, manchmal hilft nur eine Revolution.
  • Was ist schlecht an einem schlechten Interface? 1) Man stiehlt dem Benutzer Zeit 2) Man hindert den Benutzer daran, das zu tun, was ersie tun möchte 2) Im schlimmsten Fall verliert der Benutzer seine Daten. Das ist nicht die Schuld des Benutzers.

Frei interpretiert und variiert nach Not The User’s Fault.

Ähnliche Artikel:

Mitreden