Skurriler Blog-Artikel

Im allgemeinen interessiere ich mich nicht besonders für Zeitungsartikel, die sich mit Blogs beschäftigen. Meist gehen die angesprochenen Themen nur minimal über Was ist ein Weblog?, es bloggen immer mehr usw. hinaus. Das ist bei diesem Artikel nicht anderes, aber er unterscheidet sich doch sehr grundsätzlich von allem, was man sonst über Blogs liest.

Jan Freitag versucht sich im Neuen Deutschland dem Thema Blogs und Bloggen anzunähern. Aber entweder war er schon länger nicht mehr im Netz unterwegs und hatte Zeitdruck beim Recherchieren, oder er wurde von seinen Informationsbeschaffern mächtig verarscht… Der Artikel strotzt nur so von grundlegenden, sachlichen Fehlern die er hätte vermeiden können, wenn er sich zwei Minuten zeitgenommen hätte, um bei Wikipedia den Blog-Artikel zu lesen.

Dem Titel nach, Weblogs – autonome Austauschforen im Internet, geht’s in dem Artikel um Weblogs. Deshalb fängt der Artikel auch mit der Wikipedia an:

Jeder kann zur hundertsprachigen Gemeinschaft von Wikipedia zählen – die »freie Enzyklopädie« ist ein Weblog und somit aus Sicht von Fachleuten das Kommunikationsmedium von morgen.

Soso, die Wikipedia ist also ein Weblog…

Einfach wikipedia.de in die Suchleiste tippen und man ist ein Blogger in spe

Genau… Einfach ein Brötchen kaufen und man ist Metzger in spe.

Wer hätte gedacht, dass unkommerzielle, fast anarchistische Strukturen mal offizieller Trend werden.

offizieller Trend? Da habe ich es doch glatt verpasst, dass der Trend offiziell ausgerufen wurde.

Weblogs sind die Wunderkinder der Generation Online.

Weblogs die Wunderkinder? Meint er jetzt ‘Blogger’? Generation Online? Ist das mein Magen oder mein Verstand, der sich da angesichts dieser gewagten Wortwahl aufbäumt?

Vor 25 Jahren trafen sich Hamburger PC-Freaks im Chaos Computer Club und loggten sich in die Netzwerke großer Server ein … ihr Netzwerk war einzigartig und in gewisser Weise das erste Blog.

Das halte ich für eine sehr freie Interpretation des Begriffs Weblog. Nicht alles, was mit loggen zu tun hat, hat auch was mit bloggen zu tun.

Wikipedia-Blogger trafen sich im August zur ersten Konferenz über das Lexikon in Frankfurt (Main).

Wikipedia-Blogger? Wo hat er nur diese Ausdrücke her?

So bleiben Blogs vorerst, was sie sind: Ein Ort für Leute mit viel Zeit, großem Mitteilungsbedürfnis, einiger Sachkenntnis und vor allem: einem guten Browser.

Nach diesem Artikel bleibt das mit der Sachkenntnis zu hoffen. Einem guten Browser zum Bloggen? Ich finde, eine gute Maus und ein guter Bildschirmschoner sind auch nicht zu verachten.

Ähnliche Artikel:

Mitreden