der momo

ich stand an der strassenbahnhaltestelle, als mich ein kleiner opa an der jacke zog und mit kleinen, gierigen augen fragte: "kann ich ein autogramm haben?"
toll, bin ich endlich berühmt?
Ich: klar, warum?
Er: ei, du bischt doch der momo aus der lindenstraß’
Isch: nein, der bin ich nicht.
Er: doch, lüg nicht rum. isch kenn’ dich doch!
Ich: nein, der binnich nich… oh, da kommt der zug…
ich hatte mich gerade entfernt, als er aus vollem hals zu brüllen anfing: "lügenbeutel, betrüger, haltet ihn!" man liest ja immer wieder, dass es auf unseren straßen von zivil uncouragierten zeitgenossen nur so wimmelt. hier nicht! sofort näherten sich zwei couragierte männer, die mich auch gleich erst mal festhielten, bis ich glaubhaft versichert hatte, dass ich dem alten herrn nicht seine gesamte rente entwendet hatte. natürlich hatte sich der alte sackältere herr mittlerweile aus dem staub gemacht. das war wieder mal einer dieser momente, in denen ich mich frage, ob es nicht ein toller tag für den frisör wäre.

Ähnliche Artikel:

Eine Antwort to “der momo”

  1. Was ist denn das für ein unsinniges, resignierendes Fazit? “Weil mich so ein alter Mann aufgrund von Sehschwäche oder geistiger Umnachtung für einen Schauspieler bzw. Charakter aus der Lindenstraße hält, sollte ich mir die Haare abschneiden lassen.”? Das hieße doch, vor der Dummheit zu kapitulieren und sich von anderen vorschreiben zu lassen, wie man auszusehen hat.

    Du bist doch sowohl als echter als auch als moralischer Sieger aus der Situation hervorgegangen. Der Gierige ist leer ausgegangen und Du hast erlebt, daß Zivilcourage heute noch existiert. Warum sich also dem Terror des Alten durch einen anderen Haarschnitt beugen?

    Vielleicht sollte ich mal einige junge Mädels nach Marburg schicken mit dem Auftrag, Dich mit gierigen Blicken und den Worten “Hej, Du bist doch der Basim von den Kuracistoj!” um ein Autogramm zu bitten… ; )

Mitreden